Aus Blau mach Grau

Ellies „Body“ war ja nun im Original blau. Ausser leichten Krakelierungen im Gelcoat, einiger kleinerer Schrammen aber ganz okay. Die Versuche anderer, den ausgeblichenen Rumpf wieder aufzupolieren oder zu „malen“ waren sichtbar und nicht schön.

Daher der Beschluss Ellie zu lackieren. Frage nur, wie ?
Wir haben einen Teil anderer befragt, die das gemacht haben und die Antworten waren uneinheitlich. Vom „Bring es zum Lackierer“ ueber „Billiger, ein neues Boot zu Kaufen“ bis zu „kein Problem, wir haben gerollt“. Da wurden wir stutzig. Der engagierte Hobbylackierer tendiert ja meist zu „Spritzen ist das Beste“. Wieso dann rollen?

Es stellte sich heraus, das ein Bekannter genau dies mit seiner Mälar-30 gemacht hatt und das Ergebnis im Klub als „neues Boot, ganz klar“ gehandelt wurde.

Nach Kontakt mit dem ueberaus kompetenten und freundlichem Vertreiber der Farbe in Schweden, dem Studium der Ergebnisse von ca. 100 Kundenbooten auf der Webseite und dem Testbericht in einer schwedischen Bootszeitung war die Entscheidung gefallen, wir setzen auf „De-Ijssel“, ein holländischer Hersteller“.

Nach Anfrage einer Farbkarte erhielten wir eine komplette Einkaufsliste (mit der deutlichen Formulierung, das nur als Service zu sehen) und Schätzung der benötigten Mengen.

Das System baut auf einer Grundierung mit 2k-Epoxylack auf, und dann 2-3 Schichten 2K Decklack. Das Schöne an der Grundierung ist, sie kann bis plus 3 Grad gemalt werden. Die Empfehlung fuer den Decklack ist, ihn zu rollen und NICHT zu spritzen. Fuer unserer Verhältnisse mit Zelt und draussen also ideal.

Einhellig ist wohl die Meinung, das der Lack extrem gut verläuft, also keine Apfelsinenhaut oder ähnliches zeigt. Die eingesetzten Produkte wirken vertrauenserweckend, viele Sachen von z.B. 3M, deutlicher Hinweis die verwendeten Kunsttoffrollen regelmässig zu ersetzen etc.

Die Verarbeitungshinweise haben wir in dieser Form noch nirgends gesehen, alles andere rangiert schon fast unter „Schrott“. Deutlich, kompetent, Schritt fuer Schritt, genial.

Also, die Sachen wurden bestellt und das Lackierregal war voll.

Den Lack gibt es auch in Deutschland, z.B. bei Ruegg in HH

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Ein Regal Buntes
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Grundfarbe (rechts) und Lack (links)
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Moltoprenrollen

Vorgehensweise ist (theoretisch) einfach:

  • Rumpf säubern und entfetten
  • Schleifen mit 120-180 Papier
  • grössere Macken spachteln
  • 2 x Grundfarbe als Fueller
  • Feinschleifen
  • 3 x rollen mit Decklack

 

Nach dem Säubern und Entfetten wurde mit Rotex 150 und 120:er Papier geschliffen und danach gespachtelt. Der Polyesterspachtel ist extrem fein und fuellt selbst kleinste Löcher aus. Darueber hinaus auch gut zu schleifen.

Löcher gespachtelt
Löcher gespachtelt

 

Einziger Nachteil : Der Spachtel hat ein Mischungsverhältnis 1:100, d.h. nur 1 Prozent Härter. Ein bisschen doof abzuschätzen und prompt eine Ladung verhauen, das musste alles wieder runter

 

 

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Steven gespachtelt

 

Das Spachteln mit Schleifen und nochmal spachteln mit schleifen und, naja, usw. hat ca 2 Tage gedauert, meiste Zeit warten.

 

 

 

Danach ging es los mit dem Rollen. Geht nur mit Maske, da die Epoxygrundfarbe Lösemittel enthält. Gemischt wird 3:1, d.h. 3 Volumenteile Farbe, 1 Teil Härter. Das ging sehr gut mit Plastikbiergläsern, da die eine Markierung haben fuer 0,3 und 0,4 Liter. Also bis 0,3 mit Farbe auffuellen, dann bis 0,4 mit Härter.

 

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Beim Grundieren

 

Danach wurde gerollt. Die Farbe deckt gut und lässt sich recht einfach rollen.

 

 

 

 

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Erster Grundanstrich

 

Nach dem ersten Grundanstrich sieht es bereits anders aus. Ein Anstrich dauerte ca 1,5 Stunden mit 2 Leuten, die rollen. Die Rollen sollten während des Malens gewechselt werden, wenn sie anfangen zu fuseln. Gut, wenn man einen Rollenhalter mehr hat.

 

Nach dem zweiten Durchgang sah das Ganze schon passabel aus, Kein Blau mehr zu sehen, die Grundfarbe satt aufgetragen und jetzt ging es ans Feinschleifen mit 240:er Papier.

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Zum Feinschleifen haben wir Kontrastfarbe von 3M verwendet, ein unglaubliches Zeugs.

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Kontrastfarbe macht alles wieder „dreckig“

Sinn der Kontrastfarbe ist das Visualisieren wo man schon wie viel geschliffen hat. Die Grundfarbe ist tixotroph und hinterlässt eine Apfelsinenhaut, die glattgeschliffen werden soll. Da das bei weisser Farbe nur sehr schwer zu erkennen ist, schleift man schnell zu viel weg. Dabei hilft eben die Kontrastfarbe. Sie wird als Pulver mit einem Schwamm appliziert und sieht erstmal furchtbar aus.

Danach geht es an das Schleifen und die Farbe zeigt sehr genau an, wo noch was weg muss.

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Schleifen mit der Kontrastfarbe

 

Hier im Bild links nur leicht geschliffen, rechts bereits mehr.

 

 

 

 

Trotz der Kontrastfarbe bleibt das Schleifen langwierig und anstrengend, die Grundfarbe ist Epoxifarbe und hart.

Nach dem Schleifen wurde zum Unterwasserschiff abgeklebt mit gelbem 3M Tape , „244 Fine Line“, das gibt extrem gute und scharfe Kanten. Das Tape sollte aber nach jeder Lackschicht sofort wieder abgezogen werden. Um es uns etwas zu erleichtern haben wir dann noch ein „Plastikröckchen“ aus ca 25 cm Abdeckfolie auf das Tape geklebt, damit man etwas entspannter nach unten rollen kann ohne gleich auf dem U-Schiff zu landen.

Aber dann war sie glatt und die erste Lackschicht kam. Es war eigentlich zu warm, optimal wäre 15-20 Grad aber das ist im Sommer im Zelt nicht zu machen. Wir haben ein bisschen mehr verduennt ( 5 % ist normal, wir haben 8-9% genommen) und dann wurde gerollt. Äusserst spannend und aufregend beim ersten Mal. Wir haben zu zweit gearbeitet, einer rollt einer ist HiWi zumAnreichen der neuen Rollen, Farbe anruehren etc.

Die 2 Komponentenfarbe muss nach dem Mischen mit dem Härter 30 minuten „ruhen“, gute Zeit um nochmal die Toilette zu besuchen. Dann muss sehr, sehr duenn gerollt werden, die Farbe deckt sehr gut und verläuft fantastisch. Man hat aber definitiv max 5 Minuten um etwas auszugleichen, danach sieht man das. Also im Zweifel, trocknen lassen.

Pro Seit haben wir ca 1 KG Farbe benötigt per Schicht inkl Achterspiegel und 100 ml ueber behalten. Mit 2 Leuten dauert das ca 1 Stunde pro Seite. Eine Pause kann nach dem Achterspiegel gemacht werden, bevor die 2. Rumpfseite dran kommt. Wichtig ist, auf das rechtzeitige Wechseln der Moltoprenrollen zu achten. Die halten ca 10-15 minuten, dann „plustern“ sie auf. Das Wechseln der Rollen geht am besten durch Schlagen des Rollenhalters in einen stabilen Eimer, so dass die Rolle abrutscht.

Das Ganze sah danach schon sehr, sehr ansprechend aus.

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Achtern, unten, nach der ersten Schicht

 

Wie erwähnt, fliesst der Lack extrem gut aus und wird nahezu spiegelglatt. Fuer eine gerollte Fläche unglaublich.

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Der Bug

 

 

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Händchen, spiegel Dich

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir haben den Lack dann 2 Wochen aushärten lassen und dann ging es an das Mattieren fuer die 2. Schicht. Dabei haben wir ein paar kleine Läufer mit 400er Papier weggeschliffen und dann meist mit 3M Schleifvlies weiter mattiert.

 

 

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Der Chirurg mit dem Rotex 90 am Werk

 

 

Dank der Hilfe unseres „Chirurgen“, der mit dem kleinen Rotex 90 gearbeitet hat, gings das noch einigermassen zuegig, ein Tag fuers Mattieren geht aber drauf.

 

 

 

 

Auch der zweite Durchgang ging gut, wir hatten allerdings zuviel Wärme durch die Baustrahler. Dadurch wurde mehr Staub aufgewirbelt und einige Stellen trockneten zu schnell.

Fuer den 3. Durchgang suchen wir noch nach kräftigeren und bezahlbaren LED Strahlern, aber das wird nächstes Fruehjahr werden.