Die tolle Idee…

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Alt, aber ganz okay

Das Teakdeck war nach gut 45 Jahren immer noch besser als andere, die wir gesehen haben, was die Holzoberfläche angeht. Ein paarmal geschliffen und somit leider keine Möglichkeit, neu zu verfugen, da die Decks ja aus Leisten mit einer Falz gebaut sind. D.h. die Nut ist nur max 5-6 mm tief und durchs Schleifen wird es weniger.

 

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Läufer verklebt mit „Gummi“, rechts unten im Bild

 

Einige Teakdeckteile um das Suell und die Kajuete waren mit roter „Gummiklebe“ verklebt. Keine Chance, das heile abzubekommen. Der Rest schien so abnehmbar sein, da nicht verklebt.

 

 

 

Nach einer Preisanfrage fuer ein neues Teakdeck (6 mm verklebt auf Sperrholz) war die Entscheidung schnell gefallen, das geht nicht. ca 4.600 Euro waren zu viel.

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Propfen und Schrauben auf dem Achterdeck entfernt

 

Die Idee war dann, das Deck abzuschrauben, soweit es geht und dann durch den Dickenhobel zu schieben. 6-7 mm sollten noch gut da sein. Kaputte oder gerissene Teile werden durch neue Teakleisten ersetzt. Einen Teil fuer z. B. die Fische, können aus den ehemaligen Backskistenwänden gebaut werden(dachten wir).

 

Das Ausbohren der Propfen ging ganz gut mit wahlweise ausstemmen mit 6 mm Stecheisen oder „Ausschrauben“ mit Spaxschraube. Dies aber nur, wenn der Propfen noch dick genug ist. Dann mit „Gefuehl“ und Akkuschrauber die Schraube herausschrauben. Die Schrauben sind Schlitzschrauben, zumindest im original.

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Schrauben im Glas

Vor dem Hobeln musste die Fugenmassenreste entfernt werden und die „L“-Nut muss mittels Buendgfräser weggenommen werden. Wir hatten dafuer einen Buendigfräser mit Hartmettalwendeplatten und obenliegendem Kugellager bestellt.

Ob die gehobelten Leisten dann direkt geklebt oder auf Sperrholz geklebt werden sollten war noch offen. Bestechend an der Sperrholzvariante ist ja, dass diese vorgefertigt und dann erst aufs Deck geklebt werden. Es sollte auf jeden Fall geklebt und nicht verschraubt werden.

Die bittere Wahrheit…

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Fein Multimaster im Einsatz. Am Schwersten waren die Laibhölzer zu entfernen

 

Nach dem Entfernen der Fugenmasse mittels aller zur Verfuegung stehenden Werkzeuge wie Fein Multimaster, Cuttermesser, Spachtel, Hammer, Schraubenzieher, Feile, Fingernägel, Löffel etc. stellte sich heraus, dass die Laibhölzer einfach in einem zu schlechten Zustand sind. Ein Grossteil hat Risse an den Ansätzen und beim Herausnehmen der Hölzer mit Butten an den Fischen, riss auch ein Teil Holz schlichtweg ab.

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Selbstgebauter Kratzer aus einer rundgebogenen und angeschliffener Feile

 

Daher der schwere und teure Beschluss, das alte Holz nicht wieder zu verwenden, sondern neues Teak zu nehmen. Nach vielem Abwägen und Rechnen, haben wir uns fuer 8 mm starkes Teak mit 35 mm Leisten mit beidseitiger Falz entschieden. Die Falz ist 5 mm tief, d.h. 5 mm Nutzschicht. Das sollte uns ueberleben. Vorteil der Falzen ist, dass die Leisten ohne Abstandshölzer aneinanderlegen lassen. Das Ganze wird mit Sika verklebt und gefugt.

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Ueberall Gummischlangen…

 

Bei Ebay haben wir eine nahezu neue Sika-Druckluftpistole fuer Beutel gefunden, schont die Hände.

Das Teak wurde bestellt und geliefert, konnte auf Grund der Temperaturen aber nicht mehr verlegt werden. Daher haben wir es im Haus ueberwintern lassen.

Vor dem Verlegen musste das Deck geschliffen werden. Auf dem Vor- und Achterdeck, aber auch beidseitig an der Kajuete war ein „Riffelmuster“ in den Kunststoff eingepresst (Rutschhemmung), das musste weg. Ausserdem natuerlich die Reste der Fugenmasse, die besonders an den Stössen der Leisten auf das Deck durchgelaufen war.

Belastungstest Deck

Das Deck der Vindös ist recht unterschiedlich gebaut. Entweder Sperrholz, Plast und Divinycell oder Plast und Balsa.
Ellie ist mit Divinycell „ausgestattet“. Um die Stabilität zu testen haben wir uns einen kleinen Schuh mit „Druckplatte“ gebaut.

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Mit dem unter Fuss sind wair dann das Deck abgegangen, haben aber netterweise keine weichen Stellen entdeckt.
Zumindest eine Baustelle weniger.

 

 

Vorbereiten des Decks

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Deck vor dem Schleifen

Beim Abschleifen tat der Festool Getriebeschleifer mit 80er Papier gute Dienste. Mit einem einfachen Excenterschleifer wäre das deutlich mehr Arbeit gewesen.

Dumm war natuerlich, dass wir das nicht vor dem Einsetzen des Suells und der Montage der Winschbretter gemacht haben. Dadurch war es deutlich „enger“ aber ging doch.

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Achterdeck schleifen

 

Hier im Bild ganz gut zu sehen, die „Rutschhemmung“, an Backbord noch teilweise da, an Steuerbord schon abgeschliffen.

Die Löcher der alten Schrauben und der Durchbruch fuer die Lueftung werden noch verspachtelt, bzw. mit Glasfibermatte dicht gemacht.

 

Neues Teak

Das „neue“ Teak haben wir anhand der Masse der abgenommenen Leisten und Laibhölzer berechnet. Die Laibhölzer sind dabei mit Abstand das Teuerste, genaues Messen rechnet sich. Problem sind die benötigten Breiten, da die Laibhölzer nicht gebogen werden können, sondern gesägt werden muessen.

Wir haben das Teak mit Sika System verlegt, d.h. Reiniger, Aktivator, Primer, Kleber und Dichtmasse plus Trennstreifen zwischen Holz und Dichtmasse. Die Leisten haben, wie erwähnt, eine Falzbreite von 2,5 mm, so dass sich eine Fugenbreite von 5 mm ergibt. Auf den Grund der Falz wird nach dem Kleben der Trennstreifen eingebracht. Dazu hatten wir eine „Abrollmaschine“ mitbestellt. Die Sache mit dem Fugenband nimmt zum Teil philosofische Zuege an. Sika Deutschland erwähnt das fast gar nicht mehr, nur in einer Broschuere, Sika Schweden weist daraufhin. Die Frage war also, was tun? Sika Schweden kann man immerhin noch anrufen, Sika Deutschland verweist nur auf (zum Teil unglaublich inkompetente) Fachhändler.
Hintergrund des Fugenbands ist ja die 3 Flankenhaftung, d.h. die Dichtmasse soll nicht links, unten und rechts haften, sondern nur links und rechts in der Fuge. Das ist ein physikalisches Problem und gilt fuer alle Dichtungsmassen. Mit dem freundlichen Mann in Schweden haben wir dann telefoniert und er brachte eine fuer uns nachvollziehbare Argumentation: Ein starker Grund fuer die Anwendung von Fugenband ist, wenn das Teak nicht mehr die optimlae Feuchte von 9-12% beim Verlegen hat und sich dann bei Trocknen im Sommer eine starke Vorspannung ergibt. Beim Forschen in div. Foren haben einige Leute genau das berichtet (Im Winter verlegt und im Sommer schon Risse). Daher der Beschluss, ja, wir brechen uns die Finger und nehmen Fugenband.

Die Arbeit…

Es wurde nichts mit dem Fruehjahr, genug anderes war zu tun und der Juli kam. Dann ging es endlich los und zwar zuerst mit einer derben Ueberraschung. Wir wissen nicht, wie das passiert ist, aber wir hatten die Breite der alten Leisten falsch gemessen, wir hatten 35 mm ermittelt, es waren aber wohl mal 40. Das hiess, es fehlen Leisten. Naja, kann man nachbestellen…

Um sich mit dem Verlegen vertraut zu machen, speziell auch den Butten und Fischen, haben wir erstmal Leisten aus Tanne/Fichte angefertigt und rumgespielt.

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Dem Fisch auf der Spur

 

Das Verhältnis von Rundung zur Breite der Leiste wurde ermittelt und eine Vorlage fuer die Rundung festgelegt. Diese haben wir fuer das gesamte Deck genutzt, also bei allen Butten.

 

 

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Spannpratze

Was man so braucht…

Dann bedurfte es noch „einiger“ Hilfsmittel, so z.B. rund 50 Spannpratzen, die wir aus 18 mm Sperrholz gefertigt haben.

Diese bestehen aus einem kurzen Unterteil, einem längeren Oberteil, das mit Schlossschraube gehalten wird und einer 5×30 Senkkopfschraube, mit der die Pratze in das GFK-deck geschraubt wird. Die Schraube wird zur Leiste hin befestigt. Die Teakleisten werden beim Einlegen gebogen, mit der Pratze und einem Holzkeil fixiert und dann die Biegung mit einem Kunststoffkeil fixiert. Fuer die Kunststoffkeile haben wir Schneidbretter gekauft, die 5,15 mm bzw 4,5 mm dick waren. Daraus haben wir auch die Abstandshalter geschnitten, die z.B. zwischen Schandeck und der ersten Teakleiste eingelegt werden muessen, da das Laibholz ja keine Falz hat.

Die Kunststoff- und Holzkeile wurden mittels einfacher Keillade an der Bandsäge geschnitten. Die Keile haben ein Steigungsverhältnis von 1:10.
Beim nächsten Mal (sofern es so etwas geben sollte) wuerden wir die Oberteile der Pratzen länger machen, so dass 2 Leisten plus ca 25 mm (fuer das Klebeband) abgedeckt werden sowie Keile aus Hartholz nehmen, unsere Keile haben nicht genug Druck ausgeuebt. Wahrscheinlich auch Schlossschrauben M10 und nicht M8.
Aber die Pratzen haben sehr gut funktioniert.

Laibhölzer und Schandeck

Nachdem alles beisammen und getestet war, ging es mit den ersten Laibhölzern los und zwar am Achterdeck. Auf Grund des bizarren Preises fuer Teak (10.000 Euro per kbm) galt es erstmal, sich einzuarbeiten und Vorlagen zu erstellen (wie immer). Daher wurden die ersten Laibhölzer mit Hartfaser abgenommen und auf Fichtenholz uebertragen.

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Laibholz achtern aus Fichte

 

Das ging gut und dabei konnte man ganz gut mit den Pratzen und den Keilen hantieren und lernen, wie es sich den so anfuehlt.

 

 

 

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Schandeck Bug

Das Schandeck am Bug war speziell, da sich hier das Dollbord nach vorne verbreitert. Daher auch hier ein Testlauf.

 

 

 

 

Danach wurde es ernst, die ersten „echten“ Teakhölzer wurden geklebt mit schweissnassen Händen. Die Löcher fuer die (neuen) Decksbeschläge haben wir vorher gebohrt und dann alle alten und neuen Löcher von „unten“ an den Laibhölzern angezeichnet und gebohrt. Ging am besten mit einem Holzbohrer mit Spitze, der den entsprechenden Durchmesser hat.

Das Verarbeiten von Sika ist aufwändig, zeitraubend und das Zeugs ist teuer. Der Ablauf im Einzelnen besteht aus säubern des Decks, „aktivieren“ mit Sika Aktivator, warten, Einstreichen von Teakleiste und Deck mit Sika Multiprimer, warten, aufbringen von Sika 291i mit der Kartusche (auf jeden Fall Druckluft oder elekrische Pistole nehmen !!!!), verstreichen mit dem Zahnspachtel, Einsetzen des Teaks und Fixieren, naja und dann wieder warten.

Der Literpreis fuer Aktivator und Primer, wenn man 250 ml Dosen nimmt ist bizarr, daher auf jeden Fall 1 Ltr Dosen nehmen. Sowohl Sika als auch Primer und Aktivator sind nur sehr begrenzt haltbar, vor allem nach dem Öffnen.

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Aufbringen Sika 291i

 

Das Auftragen und verstreichen geht mit 2 Leuten deutlich besser. EIne grosse Hilfe war auch unser „Cat Walk“, die Arbeitplanken, rings um das Boot. Das Ganze mit „auf dem Boot rumkrabbeln“ wäre nicht wirklich schön gewesen.

 

Zum Verstreichen haben sich Kunststoffzahnspachtel mit 4 mm und zugeschnitten auf die Leistenbreite bewährt. Wichtig ist das Abkleben des Decks neben der zu klebenden Leiste. Ansonsten ist es eine Schw….arbeit, das Sika wieder abzukratzen.

Fuer das Abkleben, wie eigentlich immer, vernuenftiges Klebeband verwenden, das beim Abziehen KEINEN Leim hinterlässt. Wir hatten einmal am falschen Ende gespart und das kostete Stunden.

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Achteres Schandeck

 

Man hat genuegend Zeit ( ca 20 min) die Leisten zu positionieren. Wichtig ist, diese wirklich zu fixieren. Ein hin-und-her schieben geht nicht, die rutschen oft wieder weg und meist dahin, wo man sie nicht haben will.

 

 

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Vorderes Schandeck beim Anpassen

 

Unsere Vorgehensweise war so, dass wir die Leisten immer erst „auf Null“ angepasst haben (siehe Bild links) und dann Stösse etc. angezeichnet und gesägt/geschliffen haben. Dadurch hat man immer etwas „Fleisch“ ueber. Zum Sägen auf Länge hat sich eine scharfe Japansäge mit Ruecken bewährt, zum Schleifen der stationäre Bandschleifer, resp die Sperrholzschleifbretter mit aufgeklebtem Schleifleinen.

 

So ging es dann voran mit den Laibhölzern. Alle Laibhölzer, die keine Butten erhalten, können vorher geklebt werden, auf jeden Fall theoretisch. Wir haben nur die Hölzer aussen geklebt und mit dem Rest gewartet ,um zu sehen, wie und wo wir mit den einzelnen Leisten an der Kajuete und am Fisch ankommen. Das war in unserem Fall mehr als gut.

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Schandeck in Arbeit

Abhängig von der Anzahl der Pratzen kann man das Schandeck recht zuegig kleben, Die meiste Arbeit und der grösste Schweiss liegt im Anfertigen und Sägen der Laibhölzer. Wir haben fuer jedes eine Vorlage gemacht, Feigheit siegt.

 

 

 

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Vorlage auf Teak uebertragen

 

Zum Uebertragen der Vorlagen sind Leimzwingen gut geeignet, um alles am Platz zu halten. Das Anzeichnen haben wir leider erst später durch den Einsatz von Kreppband auf dem Teak erleichtert. Bleistiftstriche sind sonst kaum zu sehen.

 

 

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Sägen Schandecksleiste

Danach kam die meistgenutze Maschine zum Einsatz, die Bandsäge. Ohne diese wäre das Ganze unmöglich gewesen. Die Laibhölzer aussen wurden passend zum Dollbord, aussen schräg geschnitten.

 

 

 

Teakleisten

Nach dem Schandeck ist vor dem Teakdeck, jetzt kamen die Leisten an die Reihe.
Nachdem die Mitten auf Vor- und Achterdeck mittels Messen und Zirkel angezeichnet waren ging es los. Die Breite vom Fisch aufgezeichnet (der Fisch sollte zum Bug immer etwas schlanker werden), voller Vertrauen die Stösse der Leisten definiert (wir haben ca 3,7 mtr lange Leisten, die längeren waren uns schlicht zu teuer) und die ersten beiden Leisten steuerbord und backbord geklebt. Wir haben immer nur eine Leiste gesetzt. Das dauert klar länger, aber deutlich einfacher mit dem Sika und dem Einbiegen, speziell fuer Newbies wie uns.

Beim Anpassen der 3. Leiste wurden wir stutzig, die Butten passten nicht, die Leisten verschoben sich um mehr als 4 mm nach achtern. Nochmal gemessen, nochmal angezeichnet, dasselbe.

Dann haben wir erstmal das ganze Vordeck mit Leisten ausgelegt und diese provisorisch fixiert. Dazu wieder besagten Kunststoff der Schneidbretter genommen, Hunderte von Niederhaltern gesägt (ok, man hätte auch Karosseriescheiben nemen können) und mit 3,5 mm Blechschrauben die Leisten befestigt. Das ging nur mit Hilfe der Pratzen, speziell bei den kuerzerenStuecken ist das Biegen sonst nicht zu machen. Die 3,5 mm Schrauben gehen gut durch die Falzen ohne die Leisten zu beschädigen.

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Provisorisches Vordeck

 

Wie zu sehen, haben wir alle Leisten an Bb und Sb aneinanderstossen lassen um den Verlauf der Mittellinie zu sehen. Und siehe da, die Linie war keine gerade Linie, sondern zick-zack mässig geformt, Dann auch noch schräg, so dass sie nicht, wie geplant, in der Mitte der Kajuete ankommt, sondern ca 10 mm nach Bb geht. Tja, was nun?

 

Hintergrund der ganzen „Schiefheit“ ist die unterschiedlich Form des Rumpfes an Bb und Sb, das hätte man wohl mit dem Schandeck ausgleichen können, Dort fallen 1-2mmm nicht so auf. Weil um mehr geht es nicht. Durch die extreme Schräge, mit der die Leisten an den Fisch stossen, ergibt 1 mm seitlicher Versatz (also nach Sb oder Bb) schnell mal 5 mm in der Länge (von vorne nach achtern) wo die Leiste an den Fisch stösst.

Nach langem Ueberlegen ohne Ergebnis haben wir dann einen Bootsbauer angerufen, ob er uns mit dem Fisch helfen könnte. Das könne er meinte er, wäre aber noch im Urlaub.

Da war erstmal Pause angesagt und wir waren mit dem anderen Boot eine Woche segeln, das war gut so.

Nachdem besagter Bootsbauer dann aufschlug, konstatierte er, „es gilt das Auge zu betruegen“, ok, aber wie? Wir haben einen Fisch aus Hartfaser geschnitten (nur die Breite, keine Butten) und den dann aufs Deck und die Leisten gelegt. Danach optisch ausgerichtet und siehe da, kaum was zu sehen, super. Gemeinsam haben wir dann noch die Butten angerissen und das wars.

Danach wurde erst der Fisch aus Hartfaser inkl Butten gefertigt und die Vorlage auf ein 8 mm Fichten brett uebertragen mittels Kopierfräser. Der „Imitat“-Fisch wurde aufs Deck geschraubt und die Butten auf die Leisten uebertragen (wieder mit Kreppband zum besseren Sehen). Danach jede Leiste gesägt, geschliffen und geklebt.

Es gibt nur eine Leiste, die wirklich von vorn bis achtern durchgeht (mit Stössen), alle Anderen enden bei den Laibhölzern an der Kajuete. Da stellte sich die Frage, „so wie Vindö oder so wie wir es wollen“ ? D.h. entweder wieder endlos lange, spitz auslaufende Enden oder vernuenftig, aber deutlich aufwändiger, butten? Wir haben uns fuers Butten entschieden, die Laibhölzer an der Kajuete waren ja noch nicht geklebt.

 

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Seitenleisten, gebuttet

 

Das hiess also, alle Leisten (immerhin 8 Stueck pro Seite) butten. Fuer die Butten haben wir, wie erwähnt, die gleiche Radienvorlage genommen und dann die Butte an die nächste Leiste anlaufen lassen.

 

 

Nachdem die Seitenleisten geklebt waren, wurden Vor- und Achterdeck geklebt und dann kam die Kuer, das Einpassen der Laibhölzer an der Kajuete und die Fische.

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Vorlage fuer Laibholz anpassen

Die Vorlagen wieder auf „Null“ eingepasst, auf das Teak uebertragen und erst dann die Fuge weggenommen. Dabei haben wir die unterschiedlichen Dicken unserer Kunststoffteile genutzt, 4,5 mm soll gut passn, 5,15 darf nicht passen. Naja, also so ungefähr, ging ganz gut, aber extrem zeitaufwändig.

 

 

 

 

 

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Kleben Laibhölzer Kajuetvorderseite

Die Laibhölzer vorne an der Kajuete konnten geklebt werden, da sei keine Butten haben. Zum Erreichen des benötigten Drucks beim Kleben haben wir einfach Winkeleisen genommen und die mit langen Spaxschrauben auf dem Deck festgemacht. Diese wurden später auch zum Setzen der anderen Laibhölzer benötigt, da die Schrauben durch die Fuge zwischen letzter Teakleiste und Laibholz gehen mussten, die Pratzen also nicht mehr passten.

 

Die Sache mit dem Fisch

Voller Euphorie ging es dann zuerst an den Fisch auf dem Achterdeck. Dieser hatte nur 5 Butten, also gut zum Ueben. Die Vorlage hatten wir ja auch auf „Null“ gebaut und mussten also nur die Fuge wegnehmen um dann mittels Kopierfräse den endgueltigen Fisch zu bauen.

Weit gefehlt…, nach dem Abnehmen der Fuge sah es komisch aus, die Fugen winkelten sich bereits an der Seite der Butte ab.

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Der falsche Fisch

Es ist ein bisschen schwer zu erklären. Der Ansatz war ja, einen Fisch als Vorlage zu bauen INKL Fuge ringsherum, beim Anzeichnen haben wir aber bei der Butte die Fuge einbezogen, beim „Zielen“ auf die nächste Leiste aber die Fuge NICHT mit einbezogen. Der rote Pfeil zeigt die falsche Ecke, richtig wäre die Ecke gegenueber gewesen. So ein Sch….!!!!!

 

 

Aber dann der beinahe Herzinfarkt, ist das am vorderen Fisch auch so ? Es war so, der Bootsbauer  hat das „leicht falsch“ angezeichnet. Ok, alle Leisten vorne geklebt, hinten 10 Leisten wieder rausgekloppt, die waren ja kurz. Aber was Sika hält, unglaublich, man  musste darauf achten, nicht das GFK mit abzunehmen. Das ging vorne natuerlich nicht. Nochmal nachgedacht, nachgemessen und Heureka, die Leisten konnten nachgefräst werden, immerhin 34 Stueck.

Mit Oberfräse und Schiene bewaffnet, vorher einen Test gefahren und dann gefräst, ging gut.

 

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Kleben des Fisches

 

Dann konnten endlich die Fische angepasst, kopiert und verklebt werden. Hier gut zu sehen, die Abstands und Nierhalter aus Kunststoff.

 

 

 

 

 

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Fisch auf dem Vordeck

 

Ein erhebendes Gefuehl, wenn das alles passt. Und vor allem fertig ist!

 

 

 

Fugen und anderes Schweinezeugs

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Verfugter Cockpitboden

 

Nach dem Kleben stand ja „nur“ noch das Verfugen an. Neben dem Teakdeck haben wir jau auch den Fussboden im Cockpit mit Teak beklebt. Da bot sich eine Uebeungseinheit zum Verfugen mit dem Fussboden an. Nach Ruecksprache mit erwähntem Bootsbauer war das Verfahren ja klar, Ausspritzen, mit Japanspachtel scharf abziehen und mit Eierlöffel die Fuge ausformen. Das ging voll nach hinten los.

Die Fussbodenbretter ja einen umlaufenden Rahmen, der auf Gehrung geschnitten ist. Was uns nicht bekannt war ist, dass Sika DC 290 Pro nicht annähernd die gleiche Konsistenz wie Sika 291i (der Kleber) hat. DC290 ist viel, viel fluessiger, nicht tixotroph (also formstabil) und fliesst —- ueberall hin. Unter anderem auch durch besagte Gehrungen nach aussen. Dadurch war das „Fugennivå“ in sich schon mal geringer, also leicht nach innen gefallen. Dann ist die Idee mit dem Eierlöffel bei Sika keine gute Idee, da die benetze Fläche einfach zu gross ist.

Am Tag nach dem Verfugen und nach dem Anschauen von Videos, Bildern etc. also der Beschluss nicht auszuformen, da Sika ja etwas einfallen soll. Nach Ruecksprache mit dem Bootsbauer stellte sich auch heraus, dass er vergessen hatte zu sagen, dass er eben NICHT mit Sika sondern mit TDS von West arbeitet. Das Zeugs ist nämlich tixotroph.

 

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Deck abkleben

Naja, erstmal stand abkleben an und zwar alles. Unserer Tagesleistung lag bei > 200 mtr Tape.

Es lohnte sich aber wirklich.

 

 

 

 

 

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Fugenband

 

Dann kam noch das Fugenband dazu….

Der Sikaabroller ist eine absolute Fehlkonstruktion und flog nach den ersten 10 minuten in die Ecke. Am besten ging es, den Bandanfang einzulegen, mit einem Eisstiel zu fixieren, das Band in der Fuge abzurollen und mit dem Eisstiel hinterherzufahren und das Band anzudruecken. Das Einlegen des Fugenbandes haben wir nach dem Primern mit Sika Multiprimer gemacht, daher konnte das Tesa Fugenband ein bisschen besser kleben. Es gibt auch Fugenband ohne Kleber aber wie das gehen soll wollten wir gar nicht erst wissen.

 

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Fugenband am Stiel

 

Mit dem Eisstiel konnte man das Band sogar noch in die Butten, bis zur Rundung einlegen.

 

 

 

 

Das grosse Schmieren

So, alles abgeklebt und geprimert, es kann losgefugt werden. Welch eine Sauerei ! Gefragt sind ausreichend Haushaltspapier, Hartfaserstuecke zum Abstreichen der ueberfluessigen Fugenmasse, Einweghandschuhe und Aceton zum sofortigen entfernen von Sika auf Kunststoffteilen, bei Holz lieber warten und später abrubbeln, das verschmiert sonst ziemlich.

 

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Welch eine Sauerei

 

Mit der Druckluftpresse ging das Einbringen sehr einfach, das Abspachteln war schwieriger, spez mit 2 Leuten sich uf die richtige Menge Fugenmasse zu einigen war nicht immer auf Anhieb leicht. In dubio pro mehr Masse war wohl der Tenor.

 

 

 

 

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„Absperren“ der Stösse

 

Nach den Erfahrungen mit dem Wegfliessen des Sika haben wir aus Eierstielen mit Tape umwickelt, Sperren an den Stössen der Laibhölzer gebaut. Das hat sehr gut funktioniert, so dass wir die Anschluesse an Kajuete und Dollbord separat fugen konnten und das Sika nicht weggelaufen ist.

 

 

 

 

 

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2 Eimer Blaues

 

Nach der Erfahrung mit dem „sofortigen Abziehen des Klebebands nach dem Abspachteln“ war klar, machen wir nicht. Wir haben das Band erst am nächsten Tag abgezogen und das ging sehr gut und ohne Schmiererei auf allem Möglichem.

Der Moment der Wahrheit

Dann kam er, der Moment, wie sieht es aus ?

Die Fugen waren nicht ganz so eingesunken wie erhofft aber trotzdem ok. Auf der Backbordseite (die zuerst gefugt worden war) war ein bisschen viel Fugenmasse, Steuerbord war besser.

Das Ausformen mit der Kante eines Rundholz wäre wohl das Beste gewesen.

Nach dem Durchtrocknen ( 2 Wochen, da es kalt geworden war) ging es auf Grund eines „Zwischenhochs“ mit 2 stelligen Temperaturen an das Abspritzen der Anschlussfugen zu Dollbord und Kajuete. Hier haben wir auch ebgeklebt und mit einem „Fugi“ die Fuge geformt. Diese ist „schön“ eingefallen.

Nun war Schleifen angesagt. Zusammenfassend kann man sagen, das Schleifen von Sika ist eine Strafe. Das was ging war Rotex mit 80 Papier. Aber das Ganze hat sich dann gelohnt.

 

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Sika Wurmkur

 

Das ueberschuessige Sika wurde erstmal mit Stecheisen und Ceranfeldschaber so weit, wie möglich entfernt.

Danach kam der Rotex zum Einsatz.

 

 

 

 

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Fertiges Vorschiff

 

Es fehlt noch der Feinschliff mit 120/150er Papier, aber dann

— endlich fertig.

 

 

 

 

 

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Achterdeck

 

Die Schandeckelleisten und Beschläge sind erstmal nur provisorisch aufgeschraubt, da wir sie erst im Fruehjahr verkleben können.

 

 

 

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Butten am Suell

 

 

 

 

 

 

 

 

An dieser Stelle nochmals Grossen Dank an Godewindskipper Jörg, der uns viel geholfen hat mit seiner Erfahrung. Ohne ihn wäre das wohl alles nicht so geworden.

 

Ein Gedanke zu “Teakdeck”

  1. Moin moin,

    habe gerade den Block über den Refit eurer Vindö 30 entdeckt, bin beeindruckt, bzw. erkenne einiges wieder…
    Hab in den letzten Jahren bei unserer Vindö 30 eine ähnlich große Baustelle hinter mir: Cockpit-Süll und Sitzebene neu, Aufbau vorne wie bei euch neu, Sandwichkern (Balsa) im Deck neu, Teackdeck neu,…etc. Bin gerade dabei einen anderen Motor einzubauen, der alte (ein Volvo Penta MD2B) war auf, jetzt soll ein Volvo Penta 2002 rein.

    Können gerne mal näher in Kontakt treten,

    Viele Grüße aus Kiel
    Nicolai Bury

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