Nachdem das Teakdeck fertig war, konnten wir uns an das Anfertigen der neuen Schandeckelleisten machen, die Alten waren nur noch Schrott, bzw fehlten teilweise.

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Profil der Schandeckeleisten

 

Erstes kleines Problem, was war denn mal die Originalgrösse der Leisten ? Soll heissen, Dicke und Breite. Die alten Leisten waren dermassen runtergeschliffen, dass man nur raten konnte. Einzig da, wo sich ein Beschlag dem Schleifpapier erfolgreich entgegengestellt hatte, konnte man etwas ahnen.

Also ahnten wir 20 mm dick und 40 mm breit. Daraufhin wurden 20 x 45 Leiste bestellt und los gings.

Die Leisten sind 20 mm dick und haben eine Falz von 5 mm Tiefe und 35 mm Breite. Leicht unsicher, wie sich die Leisten beim Biegen verhalten, haben wir eine die gleichen Abmessungen der Falz fuer unsere 45 mm breiten Leisten uebernommen und mal eine Leiste probegebogen. Das ging ohne sonderliche Probleme, Teak ist im Vergleich mit Mahagoni oder Fichte echt toll zu biegen. Das heisst also, wir haben 5 mm mehr „Fleisch“, ist ja nie weg.

Die Falz haben wir mit Hilfe der Kreissäge und verdecktem Schnitt gesägt. Dazu wurden die Leisten 2 x hochkant gesägt um die 5 mm tiefe (oder beim Sägen breite) Falz zu erhalten.
Das Ganze geht bei 2,2 mtr Leistenlänge vernuenftig nur zu zweit, dabei warten Andruckfedern oben und seitlich sehr hilfreich um die Leisten gut zu fuehren.

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Stoss der Leisten à la Najad

 

Die Verbindung der Leisten untereinander fanden wir im Original nicht so toll und haben daher uns an der Najad Werft Variante orientiert. Die hat den Vorteil, dass die Leisten arbeiten können und wir fanden sie auch optisch ansprechender.

 

 

Besagte Leisten können ja nur Sb und Bb angewendet werden und dabei auch nicht ganz am Bug oder am Heck, wäre ja auch zu einfach.

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Achterleiste mit Uebergang zur Seite

 

Die achterliche Querleiste ist sehr stark gebogen, breiter und läuft ganz elegant ueber zu den Leisten am Dollbord. Dadurch bedingt muessen diese Leisten breiter werden und zwar ein ganzes Stueck.

 

 

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Leisten am Bug und Limpklampe

 

 

Vorne am Bug ist das beim Uebergang zum breiteren Dollbord auch so und ganz vorne „treffen“ sich die beiden Leisten.

 

 

Das Ganze fuehrte zum Erwerb eines Stuecks Teakplanke, aus dem die Sachen geschnitten werden konnten. Ein beeindruckender Preis von ca 230 Euro fuer ein Stueckchen Holz.

Aber ok, wers schön will, muss leiden.

An Hand der alten Leisten wurden die Formen ungefähr abgenommen und gesägt und gehobelt. Die kurzen Leisten achtern und vorn sind nicht gebogen, der Rumpf ist da gerade. Dadurch konnten wir die Falz wieder an der Tischkreissäge herstellen, in dem wir mehrer verdeckte Schnitte gemacht haben (eine ganze Menge) so dass die Falz stehen blieb. Den Rest dann mit der Bandsäge und reichlich Zugabe.

 

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Achterleiste von unten gesehen

 

Knifflig war das Achterstueck. Es ist wie gesagt rund, gebogen, hat auch eine Falz und die ist sogar eine Falz mit Gratfräser um sich schön am Boots-„hintern“ anzuschmiegen.

 

 

 

 

 

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Fräsen der Falz

Das erforderte doch ein Teil nachdenken. Als erstes die äussere Form des Rumpfes mit Hartfaser abgenommen, dann mit 10 mm Falzzugabe uebertragen und gesägt und feingeschliffen. Dann diesen Radius um 60 mm veringert nach innen uebertragen und gesägt (ausser den Seitenuebergang zu den Dollbordleisten). Dann mit Nutfräser gefräst und mit Gratfräser nachgearbeitet.

 

 

 

Die Fräse darf dabei nur am Innenradius gefuehrt werden. Wenn man da mal abrutscht, nimmt man zuwenig weg. Wuerde man das von der Aussenseite aus machen wuerde jedes Wegrutschen das Werkstueck „versauen“. Um sowas zu fräsen, gibt es natuerlich von den meisten Herstellern fantastische und fantastisch teure Anschläge. Parallelanschlag geht hier gar nicht. Mit ein bisschen Fantasie kann man das aber einfach selber bauen.

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Anschlag Marke Eigenbau

 

An den meisten Oberfräsen gibt es ein Gewinde am Fuss, um z.B. einen Stuetzfuss anbauen zu können. Den nimmt man, legt entsprechend viele „Eisstiele“ drunter und fertig.

 

 

 

 

 

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Freihandfräsen der Reste

 

 

 

Nachdem das passte, alles ueberstehende der Falz frei Hand mit der Oberfräse entfernt. Die Seiten mit dem Stecheisen ausgearbeitet. Dann gebohrt und montiert und mit den Seitenteilen angepasst.

 

 

 

Jetzt konnte die endgueltige Form inkl der Uebergänge der Achterleiste an die Seiten uebernommen und ausgesägt werden. Dabei fiel einem doch gleich die unterschiedlich dicke Bordwand ins Auge. Aussen hatten wir das Mass ja fein abgenommen. Zur Sicherheit nochmal die alte Leiste gemessen und siehe da, auch die war unterschiedlich breit.

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Parallelmass

 

Also ein kleines Parallelmass gebaut und die Innenkontur des Dollbords abgefahren. Die beiden Leisten, oben und unten, sind ca 6 mm versetzt um das innere Mass zu erhalten. Das Mass wird einfach von innen ueber die Achterleiste gesteckt, das längere Ende nach unten und oben kann man dann prima die Kontur anzeichnen. Das geht fuer die Achterleiste und die beiden kuerzeren Seitenleisten beim Uebergang zum Dollbord..

 

 

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Achtern aus der Werftperspektive
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Lehre fuer die Uebergänge

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem Zuschneiden und Bohren konnten die Uebergänge hergestellt werden. Dazu eine kleine Vorlage gebaut um nicht jedesmal messen zu muessen. Die Vorlage hat eine kleine Anschlagsleiste und kann fuer Sb und Bb verwendet werden.

 

Die Leisten wurden dann alle 12 cm mit Forstnerbohrer 12 mm vor- und dann mit 5 mm Bohrer gebohrt. Dabei war die Herausforderung nicht ewig ein altes Loch im Dollbord zu treffen. Weiterhin war die Schwierigkeit eine gute Schraube auszuwählen, Blechschrauben war nichts, also 5 x 40 mm V4a Holzschrauben mit Schlitz. Da wir Linsensenkkopf genommen haben, können wir die auch fuer z.B. die Genuaschienen benutzen. Problem ist das Vorbohren des Dollbords. Am Anfang sind wir noch grosszuegig von Kernlochdurchmesser mit Zuschlag, also 3,5 mm ausgegangen. Nachdem die ersten Schrauben einfach abrissen, haben wir auf 4 mm erhöht. Die Schrauben sind sehr lang im GFK, also hält auch die geringe Gewindetiefe von 0,5 mm.

 

 

 

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Kleines Helferlein zum Einbau der Seitenleisten

 

 

Danach wurden die Seitenleisten montiert. Dabei erst immer eine Schraube gebohrt und gesetzt und dann mittels eines kleinen Hilfswerkzeugs die Leiste um 3-4 Schraubenlöcher vorgebogen und die Schrauben gesetzt.

 

 

 

 

 

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Helferlein im Profil

 

Das Helferlein sind einfach 3 verschraubte Stuecken Holz. Es macht aber einen extremen Unterschied aus, wenn man es nicht hat.

 

 

 

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Der letzte halbe Meter

 

Knifflig ist nur der letzte halbe Meter. Um die Spannung dort aufbauen zu können, haben wir ein kleines Holzklötzchen gesägt, mit einer Zwinge am Dollbord festgespannt und dann die Leiste mit einer anderen Zwinge gegen diesen Widerhalter gezogen und die Schrauben gesetzt. Das ging sogar alleine recht einfach.

 

 

 

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Profile des Widerlagers

 

 

 

 

 

 

 

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Einlassen Limpklampe

 

In die Stuecke an den Limpklampen(die unser Boot noch hat), wurden die Limpklampen eingestemmt. Ein bisschen knifflig aber nicht wirklich schwer.

 

 

 

 

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Unterfuettern des Frästisches fuer die langen Seitenleisten

 

 

Nach der Probemontage mussten alle Leisten wieder abgenommen werden umd die Rundungen mit dem Radienfräser „zu huebschen“.

Herausforderung dabei ist die Falz. Ein bisschen Sperrholz mit 5 mm Dicke unterstuetzt beim Fräsen.

 

 

 

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Doppelbacke hilft immer

 

Fuer die achterliche Leiste wurde die Unterfuetterung mit Doppelbacke direkt auf die Leiste geklebt.

 

 

 

 

 

 

Die Leisten können wir erst nach dem letzten Lackieren des Rumpfes endgueltig montieren, haben sie aber aus Platz und „Verzugsgruenden“ erstmal montiert.